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Die Orangendiebe

Die Orangendiebe
Thomas B. Morgenstern

Titel Orangendiebe

Ein Krimi für junge Leser zwischen acht und zwölf Jahren.
Julian und Max sind im Portugal-Urlaub gemeinsam mit Nele und ihren Schwestern gefährlichen Orangen-Dieben auf der Spur. Mit einer List überführen sie die Täter ...

... die von der Polizei schon lange gesucht werden. Wie gut daß ihre ahnungslosen Eltern erst durch den Polizeipräsidenten erfahren, was sie für tüchtige Kinder haben.

ISBN 3-931735-03-6 • 100 Seiten • 5 Euro

Autor

Image
Der Autor an seinem Schreibtisch

Thomas B. Morgenstern ist Schriftsteller, Bio-Bauer und Vater von drei Kindern. Studiert hat Morgenstern (Jahrgang 1952) Germanistik und Theaterwissenschaften, Chemie und Biologie. Seit 1981 bewirtschaften er und seine Frau gemeinsam mit einer anderen Familie einen biologisch-dynamischen Bauernhof an der Unterelbe. Die besten Ideen kommen dem Autor beim Melken: "Danach muß ich immer sofort an den Computer!"

Image Thomas B. Morgenstern im Internet

Stimmen zum Buch

Dr. Dana Horakova
schreibt in BILD (12.5.98):

Er steht an 365 Tagen im Jahr um 5.45 Uhr auf, versorgt als erstes 35 Milchkühe. Dann die 60 Jungrinder, 50 Schweine, 25 Hennen, 2 Schafe, 20 Katzen und den Hund. Um die drei Kaninchen kümmern sich seine drei Kinder (15, 13, 7). Nach getaner Arbeit, so gegen 21 Uhr, setzt er sich an seinen Computer – Thomas B. Morgenstern (46) aus Drochtersen bei Hamburg. Ein Bio-Bauer, der Romane schreibt für Kinder: “Ein Mensch ohne Bücher ist wie ein Baum ohne Blätter, wie ein See ohne Wasser", sagt er. Und je jünger der Baum, um so wichtiger JEDES Blatt. Sein Erstling entstand 1994: “Verschwörung in Meridan" (Hannah; DM 19,80). Eine Abenteuer-Geschichte über einen Jungen, der in frühere Jahrhunderte “rutscht", ein Mädchen und einen König befreit und zum Ritter wird. Und die ganze Zeit bemüht ist, die ZEIT zu verstehen. Eine Geschichte, die wie Quellwasser fließt, frisch und farbig. Und Weisheit vermittelt, ohne Schwermut und schulmeisterlichen Tiefgang.
Wie wird ein Diplom-Biologe Roman-Autor? “Als ich eines Tages merkte, daß sich meine Kinder langweilen, obwohl ich ihnen eine Abenteuer-Story vorgelesen hatte!" Er liest regelmäßig vor: “Da dachte ich, DAS kann ich auch." Und als die Kinder schliefen, fing er an zu tippen: “Aber bald merkte ich, daß zum Schreiben mehr als nur Lust und Wille gehört. Als ich z.B. schrieb ,Er schaute sich im Spiegel an’ – stockte ich. Gab’s damals schon Spiegel? Seit wann gibt’s die überhaupt?" Eine Frage, die recherchiert werden mußte. Eine von vielen. Nach sechs Wochen (“manchmal tippte ich bis 2, 3 Uhr morgens") war das Buch fertig. Und er las es seinen Kindern vor. Ihre Reaktion? “Toll, Papa! Da war ich selig." Klar gaben die Kids mit IHRER Geschichte bei Freunden an. Und die Eltern der Freunde wollten sie auch lesen. Und dann meldete sich ein Verlag...
Hobby? “Segeln." Vorbild? “Keins." Glück? “Meine Familie." Die biologisch-dynamische “Hofgemeinschaft Aschorn" gibt es seit 1981, er hat in dieser Zeit rund 500 Kälbern auf die Welt geholfen. Und – wird er den Hof aufgeben und “nur" schreiben? “Niemals! Ich brauche Arbeit mit den Händen als Inspiration. Ich glaube, es gibt nichts Schöneres, als in der Natur mit der Natur zu arbeiten. Ich kann es gar nicht begreifen, wie alles wächst, jedes Jahr wiederkehrt. So schön, so vollkommen. Da muß es einen Plan geben..."
Übrigens: Felix, sein Romanheld, trifft während seiner Reise auf drei weise Männer, die in einem lodernden Baum leben. Einem Baum jenseits der Zeit. Der eine sagt: “Zeit kann man nicht verlieren, die Zeit ist in eurem Inneren. Ihr könnt euch selbst auch nicht verlieren."

 

Leseprobe

Wer schon einmal geflogen ist (natürlich nicht von der Schule, sondern mit dem Flugzeug), der weiß, daß man immer eine Stunde früher da sein muß. Da wird das Gepäck abgeliefert, die Pässe werden kontrolliert und die Tickets geprüft.

Nagels Flugzeug startete schon um 6 Uhr morgens. Um eine Stunde früher da zu sein, mußten sie im Stockfinstern um halb vier von zu Hause losfahren. Sie hatten sich am Abend davor von allen, die auf dem Hof zurückblieben, verabschiedet, das Auto gepackt, die Tickets und die Pässe bereitgelegt, das Geld und die Filme eingesteckt und die Angeln verpackt.

Ja, wir werden allen eine Karte schreiben.

Ja, wir rufen sofort an, wenn etwas Schlimmes passiert (Was die Daheimgebliebenen bloß für Sorgen haben!).

Die Kinder waren sofort wach, als morgens um halb drei Frau Nagel in die Kinderzimmer kam und sie weckte. Als hätten sie es lange geübt, sprangen sie in ihre Kleider, machten die Betten, schnappten sich ihre Rucksäcke und saßen ein paar Minuten später aufgeregt am Frühstückstisch, der diesmal seinen Namen wirklich verdiente, so früh war es.

"Hast du an alles gedacht?" fragte Julian und sah dabei seinen Vater forschend an.

"Selbstverständlich! Ich denke immer an alles!" Herr Nagel sagte es todernst. Julian zwinkerte Max zu, der aber noch viel zu verschlafen war, um es zu bemerken. Max stellte gerade verwundert fest, daß er zuwenig geschlafen hatte.

Endlich fuhr das Auto los.

Nach drei Kilometern sagte Herr Nagel leise zu seiner Frau:

"Ich glaube, ich habe meine Ersatzbrille vergessen!"

Von der Rückbank kam ein Aufschrei: "Papa!!"

Herr Nagel wendete in der nächsten Hofeinfahrt und fuhr zurück.

Schon beim Abbiegen zu seinem Hof kamen ihm erste Zweifel.

Als dann gesucht wurde, war weit und breit keine Brille zu finden, nicht in der Küche, im Schlafzimmer auch nicht...

Kleinlaut schlich Bauer Nagel zum Auto zurück: "Die Brille ist wohl im Koffer."

"Papa, beeil' dich!" Julian warf sich geräuschvoll zurück an die Lehne des Rücksitzes, um seine Verachtung auszudrücken. "Wir kommen zu spät!"

"Das reicht noch dicke. Es ist doch erst vier." Aber Herr Nagel war selbst nicht mehr so überzeugt, daß die Zeit noch reichen würde...

Er fuhr also besonders schnell und sie hatten Glück. Schon um zwei Minuten vor fünf schleppten sie ihr Gepäck durch die Eingangshalle des Hamburger Flughafens.

Nur drei Stunden Flug und sie waren ganz im Südwesten von Europa. Sie landeten in Faro und nahmen am Flughafen ein Taxi zum Bahnhof. Knapp eine Stunde später hob der uniformierte Bahnhofsvorsteher seine Kelle, pfiff und der Eisenbahnzug setzte sich langsam in Bewegung.

Er hielt an jeder Station und machte einen kleinen Umweg durchs Hinterland. Ab und zu konnten sie zwischen ein paar Hügeln hindurch das Meer sehen.

"Was sind das denn für Früchte?" fragte Max, als sie durch eine kleine Obstplantage fuhren.

"Das sind Orangen und dazwischen stehen ein paar Zitronenbäume", erklärte ihre Mutter.

"So sehen Orangenbäume aus?" staunten die Kinder.

***

Orangen werden in dieser Geschichte noch eine besondere Rolle spielen, aber das ahnte in diesem Moment noch niemand.

"Da kommt mir eine gute Idee", sagte Frau Nagel und zauberte aus ihrer großen Reisetasche zwei Orangen hervor.

Product of Portugal stand auf den kleinen, bunten Aufklebern. Sie hatten die Orangen zu Hause gekauft und nun waren sie zurück in ihrem Ursprungsland...

Aber trotz der weiten Reise waren die beiden Früchte ein guter Vorgeschmack auf die Orangenfreuden, die sie hier erwarten sollten.

Nachmittags um drei Uhr kam der Zug in Lagos, der Stadt, in der sie aussteigen sollten, an. Das war einfach. Es war die Endstation. Sie hatten mit der Familie, die sie besuchen wollten, ausgemacht, daß sie vom Bahnhof aus anrufen sollten. Sie würden dann abgeholt werden.

Habt Ihr schon einmal in einem fremden Land telefoniert? Die Menschen fliegen zum Mond und tauchen in die tiefsten Tiefen der Südsee, aber ein Telefon zu konstruieren, das auf Anhieb jeder kapiert und das vor allen Dingen immer funktioniert, das hat wohl noch keiner geschafft (Vielleicht ist das ja ein Geheimtip für die Berufswahl: Telefonkonstrukteur...). Aber selbst wenn das Telefon in der Telefonzelle funktioniert hätte, wäre die Ankunft nicht reibungslos vonstatten gegangen.

Herr Nagel hatte zwar nicht die Ersatzbrille, dafür aber den Zettel mit der Telefonnummer der Gastgeber vergessen. Aber es gibt überall auf der Welt freundliche Menschen, die hilflosen Touristen aus der Patsche helfen. So auch in Portugal. Schließlich klappte sogar der Anruf und eine halbe Stunde später kam Hubert Becker mit seinem alten Jeep angefahren.

***

Um fünf Uhr waren Nagels endlich in ihrem Ferienhaus auf dem Hof der Familie Becker. Vor drei Jahren waren sie das letzte Mal hier gewesen.

Alles wurde bestaunt. Wie groß die Bäume geworden waren und die Kinder!

"Deine Glatze ist ja auch nicht kleiner geworden", gab eine erboste Nele zurück. Sie konnte es nicht ausstehen, wenn ihr immer gesagt wurde, wie groß sie geworden sei.

Beckers hatten einen riesigen Hof, aber das meiste Land ist im Süden von Portugal nicht sehr fruchtbar. Ein paar Korkeichen und viele Cistrosen, die niemand gebrauchen kann, wachsen dort. Wenn man nicht aufpaßt, überwuchern diese Pflanzen das ganze Land.

Cistrosen spielen eine kleine Rolle in unserer Geschichte.

***

Was an diesem Tag noch passierte, muß man nicht erzählen. Jeder, der schon einmal in die Ferien gefahren ist, weiß, daß man nach der Ankunft so müde ist, daß man am liebsten nicht einmal mehr die Koffer auspacken möchte.

Bald lagen also alle im Bett und schliefen.

***

Der nächste Tag war ein schöner Frühlingstag. Es waren die Osterferien der Kinder und in Deutschland hatte es nachts noch gefroren.

Hier blühte schon viel und es war mittags so warm, daß man baden konnte.

Schon an diesem ersten Tag waren die Kinder mittendrin in ihrem Abenteuer und wußten es noch gar nicht.

"Julian und Max!" rief Frau Nagel ins Kinderzimmer. "Aufstehen, wir wollen frühstücken. Kommt auf die Terrasse."

Herr Nagel hatte gerade den Kaffee gekocht, als die beiden auf die Terrasse stürzten.

"Baguette", schrien sie. "Das gab es vor drei Jahren noch nicht."

"Nele ist heute morgen extra ins Dorf geradelt und hat die Baguettes zur Begrüßung geholt", erklärte ihr Vater. "Ist das nicht nett?"

Aber die Kinder hörten gar nicht mehr zu. Sie waren schon mit der Planung des Tages beschäftigt.

"Jetzt wollen wir gleich zum Stausee, baden. Danach Angeln. Und dann fahren wir alle nach Lagos und danach gleich ans Meer."

Die Eltern sahen sich verwundert an.

"In Ordnung! Und was wollen wir am Nachmittag machen?" fragte Frau Nagel spöttisch. "Also, erstmal werden jetzt die Koffer ausgepackt und die Wäsche wird in den Schränken verstaut."

"Oh, Mann", maulten die Kinder und gaben nicht nach. "Nichts darf man bei euch."

Da sprang ihnen ihr Vater bei: "Ihr habt mein volles Verständnis. Ich hatte auch Eltern, die mir nie etwas erlaubten. Solche Eltern sind furchtbar!"

"Genau!" rief Julian.

"Und weil wir nicht furchtbar sind, dürft ihr zum Baden gehen und wir räumen die Koffer aus."

"Toll, Papa! Manchmal lernen sogar Erwachsene aus ihrer Vergangenheit." Die Jungen waren wieder versöhnt. Schnell hatten sie Badehosen und Handtücher aus den Koffern gezogen und waren in zehn Minuten zum Stausee gelaufen. Im Südwesten Portugals, dort, wo unsere Geschichte spielt, hat jeder Hof so einen kleinen See, der zum Bewässern der Obstplantagen und Gärten dient.

 

Keine halbe Stunde später standen die Jungs wieder auf der Terrasse.

"Angeln holen?" fragte Herr Nagel. "Den zweiten Programmpunkt abhaken?"

"Nö", sagte Julian. "Uns ist kalt. Wir hatten keine Pullis dabei."

"Auf dem Nachbarhof gibt es keine Kinder." Max wechselte das Thema. "Nur komische Leute, die sich vor uns verstecken."

Und auf Frau Nagels überraschtes: "Wieso?" antwortete er: "Die haben sich versteckt, als wir badeten. Als ob sie Angst hätten. Komische Bauern."

"Allerdings." stimmte ihm seine Mutter zu.

 

Sie fuhren an diesem Tag tatsächlich noch nach Lagos und auch im Meer wurde noch gebadet. Abends fielen die Kinder müde ins Bett.

Ihre Eltern und Hubert und Margit Becker trafen sich noch auf der Terrasse. Beckers waren schon seit zehn Jahren in Portugal.

"In Deutschland werden es immer weniger Bauern", erzählte Herr Nagel.

"Das ist hier nicht anders." Hubert Becker war nachdenklich. "Als wir anfingen, brauchten wir nur zu einem der Nachbarn gehen, wenn wir mal eine Maschine ausleihen wollten oder Hilfe brauchten. Heute geht das nicht mehr. Wir sind die letzten Bauern, die hier geblieben sind. Die anderen Höfe sind alle verlassen."

Frau Nagel stutzte : "Ihr seid die letzten, sagtest du?"

"Ja", nickte Herr Becker. "Vor einem Jahr hat auch José Sagaldo, der Bauer, dessen Hof an unserem Stausee liegt, aufgehört und ist ins Dorf gezogen. Er bewirtschaftet seine Orangen nur noch nebenbei."

"Kommt er oft auf seinen alten Hof?" Frau Nagel wollte es nun genau wissen.

Hubert Becker war etwas verwundert über die hartnäckige Neugier seiner Feriengäste:

"Kennst du ihn, oder weshalb fragst du so danach?"

"Max war heute morgen am Stausee und hat sich gewundert, warum die Leute auf dem Hof Angst vor Kindern haben. Sie haben sich angeblich hinter den Cistrosen versteckt, als die Jungs gebadet haben. Aber die haben auch manchmal eine blühende Phantasie."

"Also das ist doch die Höhe!" Hubert Becker schrie so laut, daß Nagels zusammenzuckten. Sie sahen ihn verständnislos an.

"Dann stimmt, was Sagaldo sagt! Er behauptet, ihm werden kistenweise die Orangen aus der Plantage gestohlen."

"Dann haben unsere Kinder die Diebe gesehen?" Frau Nagel war erschrocken.

Hubert Becker nickte: "Unglaublich, wie dreist die vorgehen. Ich bin doch auch andauernd am Stausee. Die Zuleitung zur Bewässerung ist öfter mal leck. Sie müssen mich auch schon bemerkt haben, ich sie aber noch nie. Ich habe das Gejammere von Sagaldo immer für reinen Unsinn gehalten. Ich dachte, er verkauft seine Ware heimlich, um zu Hause nichts abliefern zu müssen."

Er lehnte sich nachdenklich zurück und nippte an seinem Weinglas.

"Und was gedenkst du nun zu tun?" fragte seine Frau.

"Ich muß Sagaldo anrufen." Er sah auf die Uhr. "Aber es ist heute schon zu spät. Er geht immer früh zu Bett, er arbeitet in Lagos in der Konservenfabrik, in der Frühschicht."

Als Nagels im Bett lagen, sagte Renate Nagel zu ihrem Mann:

"Mir ist die ganze Geschichte nicht geheuer."

"Ich schlaf' schon", brummte ihr Mann. So machte er es immer, wenn er nicht mehr gestört werden wollte.

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