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Emmis Bester / Krimi

Emmis Bester
Maren Köster-Hetzendorf

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Die Wiener Schriftstellerin Inge Dorn erbt ein Haus in der Nähe Hamburgs. Bardesfleth ist ein Dorf im Alten Land, dem größten Obstgarten Deutschlands. In dem Dorf an der Elbe leben vor allem Obstbauern ...

... sie sind eine lukrative Symbiose mit dem Tourismus eingegangen. Quelle allen Wohlstands ist das Geschäft mit dem Apfel, bis die erfolgreiche Galeristin und Lokalpolitikerin Emmi Hack und ihr Geschäftspartner Bernd Brinkmann mit der Errichtung eines Wohn- und Freizeitparks neue Wege gehen wollen. Bardesfleth zerfällt in zwei Lager. Inge Dorn bekommt über ihre Nachbarn, das Arztehepaar Irmgard und Walter Weyken, Einblicke in die damit verbundenen Konflikte zwischen Befürwortern und Gegnern. Die Auseinandersetzungen erfahren eine dramatische Steigerung, als Emmi Hack plötzlich zu Tode kommt. War es ein Schlaganfall in Folge von zu viel Stress?
Inge Dorn gerät in seelische Nöte, als sie mit dem Witwer eine Affäre beginnt. Der liebt erfolgreiche Frauen und den großen Auftritt. Welche Rolle spielt er?

ISBN 978-3-931735-23-4 • 240 S. - 210 x 149 cm • 12,50 Euro

Autor


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Autorin Maren Köster-Hetzendorf

Dr. Maren Köster-Hetzendorf , Jahrgang 1957, hat in Münster und Wien Osteuropäische Geschichte und Slawistik studiert. Nach langjähriger Tätigkeit als Redakteurin und Kriegsberichterstatterin der Tageszeitung „Die Presse“ in Wien übernahm sie den Posten der Chefsprecherin des Deutschen Roten Kreuzes. Danach arbeitete sie in führenden Positionen in der Kongress- und Tourismuswirtschaft. Anfang 2004 hat sie die Agentur für Standortkommunikation „FLT Media Products“ gegründet.

Image Maren Köster-Hetzendorf im Internet

Leseprobe

Am Dienstagmorgen saß ich in Bardesfleth am Computer und hoffte, dass wenigstens eine Muse für kurze Zeit vom Küssen der großen Dichter und Denker ablassen und mich in meinem Haus besuchen würde, um mir eine Inspiration zuzuflüstern. Doch die wollte sich einfach nicht einstellen. Gedankenlos griff ich zur Teekanne. Mist, die war schon wieder leer. Hatte ich Lust, nach unten in die Küche zu gehen, um frischen Darjeeling aufzubrühen? Nein! Oder doch? Ich konnte mich nicht entscheiden und rutschte unruhig auf meinem Stuhl hin und her.

Ein mieser Tag. Ich sah aus dem Fenster. Eintönig und eisgrau lag der Himmel auf den schier endlos scheinenden, schnurgeraden Apfelbaum-Reihen. Die Pflücker hatten sich gelbes Ölzeug übergezogen - die einzigen Farbtupfer in der grauen und schmutzig-grünen Eintönigkeit.

Plötzlich klingelte das Telefon. Ich zuckte zusammen. Dann hastete ich die Treppe hinunter ins Wohnzimmer. Zu spät. Der Anrufer hatte bereits aufgelegt.

Der alte schwarze Apparat an der Wand neben der Tür hatte mich beim Einzug amüsiert. Er war so schön nostalgisch. Jetzt hätte ich ihn in die Tonne treten können. Ich gab mir einen Ruck. Tu was gegen deine schlechte Laune, befahl ich bei mir und beschloss, mich sofort auf die Suche nach einem schnurlosen Gerät zu machen.

Ich nahm meinen Anorak vom Haken und griff zu den bequemen Mokassins. Oje, die hatten die Begegnung mit Hack und Brinkmann in der vergangenen Woche nicht heil überstanden. Sie waren voller hässlicher Wasserflecken und das Wildleder war ganz hart geworden. Die konnte ich nur noch auf den Müll werfen. Ein paar neue Schuhe waren also auch fällig. Ärgerlich, aber immerhin hatte ich auf diese Weise zwei gute Gründe, den Computer fürs Erste wieder abzuschalten.

Handtasche und Halstuch waren oben im Schlafzimmer. Beflügelt von dem Gedanken an meine Einkäufe nahm ich gleich zwei Treppenstufen auf einmal. Da läutete es an der Haustür.

Während ich noch zauderte, ob ich zuerst die Sachen aus dem Schlafzimmer holen oder den Besuch hereinbitten sollte, begann dieser kräftig gegen die Tür zu hämmern. Ich sauste also die Treppenstufen wieder hinunter und machte die Haustür auf, dahinter stand eine ungeduldige Irmgard. In der rechten Hand hielt sie ihren linken Schuh, mit dem sie gerade die Tür bearbeitet hatte, unter den linken Arm hatte sie eine Zeitung geklemmt.

Vor sechs Monaten ist mein Leben aus den Fugen geraten.

Es begann mit einem unerwarteten Anruf in meinem Arbeitszimmer in Wien. Ein freundlicher Notar aus Hamburg meldete sich. Tante Mary, die kürzlich verstorbene Cousine meines Vaters, hätte mir ihr Haus im niederelbischen Bardesfleth vermacht. Prompt und begeistert akzeptierte ich das Erbe. Ich hatte dabei das Bild vom Hamburger Hafen vor Augen, wie ich ihn vor Monaten auf dem Empfang eines Hamburger Verlagshauses erlebt hatte: riesige Containerschiffe vor einem kräftig blauen Himmel. Das alles würde ich in Zukunft jeden Tag genießen können. So malte ich mir das in den schönsten Farben aus.

Schon am nächsten Wochenende flog ich nach Hamburg. Am Flughafen nahm ich einen Mietwagen. Das mit dem hohen blauen Himmel stimmte. Die Aprilsonne ließ die Farben leuchten, das Rot der Backsteinhäuser, das erste Grün in den Gärten. Von der Elbe bekam ich allerdings nicht viel zu sehen. Denn der Weg führte nach kurzer Strecke auf der Autobahn durch den dreieinhalb Kilometer langen Elbtunnel. Ich hatte gerade noch Gelegenheit, auf einen Containerterminal rechts einen Blick zu werfen, im Augenwinkel erfasste ich auch eine rote Schiffswand. Das war’s. Laut Straßenkarte musste ich nach Verlassen des Tunnel sofort die nächste Abfahrt nehmen.

Von da an führte eine asphaltierte Straße am Elbdeich entlang, und zwar an der elb-abgewandten Seite. Irgendwie hatte ich mir immer eingebildet, ich würde gemütlich auf der Deichkrone Richtung Bardesfleth düsen. Ein bisschen enttäuscht war ich schon. Allerdings: Von Tante Marys Haus aus würde ich einen fantastischen Blick auf die Elbe haben, tröstete ich mich.

Als ich jetzt den Wagen in der Hauseinfahrt parkte und voller Vorfreude hinauf in den ersten Stock stürmte, war - oben angekommen - die Enttäuschung riesengroß. Was war denn das?! Vor mir eine grüne Wand. Davor grauer Asphalt - die Straße.

„Hallo, Inge! Hallo!“

Im Vorgarten erblickte ich zwei Gestalten, die mit den Händen im Wind ruderten und lachend zu mir hinaufschauten.

„Macht den Deich um vier Meter niedriger“, rief ich nach unten und winkte den beiden fröhlich zu.

Den Arzt Walter Weyken und seine Frau Irmgard hatte ich gleich erkannt, alte Freunde meiner Eltern und die Helden meiner Kinderzeit. Immer wenn wir Tante Mary besuchten, waren Weykens, die selbst keine Kinder hatten, meine Adoptiveltern. Walter brachte mir das Reiten bei. Irmgard dachte sich mit mir auf langen Spaziergängen viele lustige Geschichten aus.

„Inge, komm runter. Lass dich anschauen. Deine Mutter hat uns geschrieben, dass du kommst, wir wussten aber nicht, dass es schon an diesem Wochenende sein würde. Sonst hätten wir dich am Flughafen abgeholt“, die beiden waren gar nicht mehr zu bremsen. Beide trugen Jeans und handgestrickte Pullover mit Norweger-Muster. Walter, inzwischen 64, hatte graue Haare bekommen. Ansonsten sah man ihm das Alter nicht an. Er war nach wie vor schlank und sportlich. Irmgard, gut einen Kopf kleiner als er, trug jetzt das kurz geschnittene Haar kastanienbraun. Vor zwei Jahren, als sie mich in Wien besucht hatte, waren ihre Haare noch blond und schulterlang gewesen. Sie hatte im Februar ihren 55. Geburtstag gefeiert.

Die beiden lachten über mich und konnten es gar nicht verstehen, dass mich der Deich dermaßen aus der Fassung gebracht hatte.

„Der Deich ist höher als früher. Kannst du dich denn gar nicht mehr erinnern. Ist es schon so lange her, dass du hier gewesen bist“, fragte Walter ungläubig.

„Pass auf, ich zeige dir etwas. Das wird dir gefallen.“ Irmgard nahm mich bei der Hand und führte mich ins Nachbarhaus.

Weykens Haus besaß einen ausgebauten Dachboden - mit Panoramafenster bis unter den First. Dort stand ich am Ende dieses Tages und schaute doch noch auf den Fluss. Wir stießen mit Anisschnaps an, der Küstennebel hieß. Ich leerte so einige Gläschen. Die hatte ich wirklich nötig. Danach war mein Blick verschleiert und mein Gehirn angenehm vernebelt. Da war es plötzlich wieder da, das alte Gefühl, hier zu Hause zu sein.

 
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