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Der Schatz des Schweden Dieter Bromund

Onkel Ulix und die zwölfjährige Nina, Piet, Johannes und Cornelis wollen in den Sommerferien auf Segeltörn gehen. Im Hafen von Bensersiel erzählt ihnen Kapitän Husmans von einem geheimnisvollen Wrack am Strand von Wangerooge. Ist es Seemannsgarn oder eine wahre Geschichte?
... die jungen Segler erfahren vom Schatz des Schweden und bei der aufregenden Suche nach ihm machen sie ungewöhnliche Entdeckungen und erfahren eine Menge über die Stadt Stade an der Unterelbe.
ISBN 978-3-931735-14-2 • 140 S., 1 schw.-w. u. 1 farb. Abb. - 21,5 x 13,6 cm • 12,50 Euro
 Dieter Bromund im Stader Hafen Dieter Bromundwurde 1938 in Bromberg geboren. Durch Kriegswirren und Flucht landete er im März 1945 mit seinen Geschwistern, seiner Mutter und seinerm Großvater in der Mühle von Grefenmoor. Seine frühe Schulzeit verbrachte er von 1946 - 1953 in der einklassigen Dorfschule von Düdenbüttel und später am Athenaeum in Stade. So ist er im Herzen ein Niedersachse. Nach dem Studium von Anglistik und Germanistik hat er 25 Jahre lang als angestellter Marketing-, Werbe- und PR-Berater gearbeitet. Seit 1990 lebt und arbeitet er als freischaffender Autor und Übersetzer.Verheiratet, zwei erwachsene Töchter. Der Autor liebt die Natur, insbesondere die See und den Westwind, altmodische Segler, Inseln und seit den Schultagen das Schreiben. Bisher veröffentlicht: 22 eigene Bücher, 18 aus dem Englischen übersetzte Bücher und zahlreiche Funkfeatures und Hörspiele.
Bücher
- Die erste Reise war angenehm, München 1982
- Tod für die Startbahn West, München 1983
- Die korsischen Freunde, München 1983
- Schatten über dem Golf, München 1984
- Mord ist nichts für feine Nasen, München 1988
- Kompaßkurs Mord, Frankfurt/Berlin 1989
- Ein Mann mit stillem Kielwasser, Frankfurt/Berlin 1999
- Die Heiligen des Störtebeker, Hamburg 1988, Würzburg 1990, Leer 2003
- Der Schatz des Schweden, Hamburg 1989, Würzburg 1991, Stade 2006
- Das Geheimnis der Karina, Hamburg 1990
- Acht Glasen - Mitternacht, Hamburg 1990
- Der Schrei der Krähe, Hamburg 1992
- Schlubach - Die ersten 125 Jahre, Hamburg 1991
- Instant English For Bloody Germans, Frankfurt 1991
- Wie schlau ist Ihr Hund?, Frankfurt 1992
- Miau - Intelligenztest für Katzen, Frankfurt 1993
- Vom Vertreter zum Unternehmer, Würzburg 1998
- Die Frau aus der Brandung, Leer 2002
- Die wandernden Sände, Leer 2002
- Kein Schnaps für den Zaren, Leer 2003
- Metzgers Testament, Leer 2005
- Vom Werte der Verlegenheit, Stade 2005
Dieter Bromund im Internet
Kapitän Husmans erzählt von einem Sturm und von einem Gespenst
Die Störtebeker lag im Hafen von Bensersiel. Seit Stunden regnete es. Gegen Regen helfen Tee und gute Geschichten. Aber kann man jede Geschichte glauben, die Männer nachts in einer Kajüte erzählen, um sich die Zeit zu vertreiben? Ulyx, der Skipper der Störtebeker, hatte von Schmugglern im Nebel berichtet, die vor über hundert Jahren von Helgoland aus verbotene Waren nach Ostfriesland brachten und Gendarmen und Amtmänner an der Nase rumführten. Cornelis von der Liekendeeler wusste viel über Seeleute, die an der Ems wohnten und in alle Welt segelten - mit Auswanderern nach Nordamerika, zum Walfang ins Eismeer, nach Indien und China, um Tee zu holen, und zu den Gewürzinseln in die Südsee. Kaptiän Heiko Husmans, der mit seiner Yacht Opa Reimer auch auf Wind wartete, hatte bisher nur geschwiegen. Aber acht Tassen Tee getrunken, seit er nach dem Abendessen zu Besuch auf Ulyx´ Schiff gekommen war. Nina wollte aufstehen und noch einmal Wasser aufsetzen. Da legte Kapitän Husmans seine Zigarre in den Aschenbecher und schlug vor, einen kräftigen Grog vor dem Schlafengehen zu trinken. „Igitt“, sagte Nina. Auch Piet schüttelte den Kopf. Husmans sah zu Johannes rüber: „Und du?“ „Nein, danke“, lehnte er ebenfalls ab. „Ich seh schon“, meinte Husmans, „die jungen Leute mögen so kräftiges Zeug nicht, das einem die Seele wärmt.“ Ulyx machte sich am Herd zu schaffen, stellte den Teekessel auf die Gasflamme, fische eine Flasche und drei Gläser aus einem Schapp und sah kurz nach draußen. Die Regenfäden wehten jetzt schräg durch die Lichthöfe der Laternen auf dem Pier. „Wir werden wohl morgen Wind zum Segeln haben“, sagte er. Prima, dachte Nina. Diese Warterei macht ja überhaupt keinen Spaß. Seit drei Uhr nachmittags war sie auf der Störtebeker. Ulyx, ihr Onkel, hatte sie vom Zug in Norddeich abgeholt. Nach einer lagen Bahnreise von Frankfurt hat man dann gar keine Lust zu warten. Die Störtebeker lag zum Auslaufen bereit in Bensersiel, glänzte im Regen und zerrte an ihrer Leine, als die beiden an Bord sprangen. Unten in der Kajüte hatten Cornelis, Piet und Johannes sie mit dampfenden Tee begrüßt. Gab das ein Hallo! Es war natürlich ganz klar, seit Weihnachten schon, dass die beiden Schiffe wieder zusammen in die Ferien segeln würden. Die Liekendeeler mit ihrem Skipper Cornelis und Piet und Johannes als Mannschaft, und die Störtebeker mit dem Skipper Ulyx und Nina, seiner Nichte. Vor einem Jahr hatte Nina die Leute von der Liekendeeler kennen gelernt. Gemeinsam hatten sie herausgefunden, wer warum Heiligenfiguren aus vier Kirchen in Ostfriesland gestohlen hatte. Das waren aufregende Tage gewesen, ehe sie dann endlich nach Holland in die Ferien segeln konnten. Zu Weihnachten hatte Nina Piet nach Frankfurt eingeladen, und als am Heiligabend auch Ulyx erschienen war, hatten sie beschlossen: Wir segeln zusammen in die Ferien! Die beiden Jungen wohnten in einem Heim in Fehnders, in dem Cornelis als Handwerkslehrer zweimal in der Woche unterrichtete. So oft er konnte, nahm er die beiden mit auf seiner Yacht. „Wo geht´s denn diesmal hin?“ fragte jetzt Kapitän Husmans, und stellte sein leeres Glas auf den Kajüttisch zurück. „Wir wollen nach Dänemark“, antwortete Nina. Husmans nickte. „Dann segelt mal an Wangerooge vorbei.“ Also, ich sag euch, auf Wangerooge liegt ein Wrack - am Ostende der Insel -, und bei dem Wrack spukt es. Ich weiß, ihr jungen Leute glaubt sicher nicht an Gespenster. Aber wenn ihr nach Dänemark wollt, kommt ihr an Wangerooge vorbei. Seht euch das Wrack selbst mal an.“ Nina schwieg. Ein Wrack mochte es da wohl geben, aber ein Gespenst? Johannes kräuselte seine Nase und wartete. Nur Piet zappelte ungeduldig. Käpt'n Husmans nickte allen drei freundschaftlich zu und erzählte weiter. „Am 24. und 25. April raste ein Frühjahrssturm über die Nordseeküste. Wer erinnert sich daran?“ Der Sturm, erzählte Husmans, blies so gewaltig, dass selbst die alten Kapitäne auf Wangerooge in ihren Häusern die Köpfe zwischen die Schultern zogen und die ganze Nacht in ihren Wohnzimmern sitzen blieben, Rum in ihren Tee gossen und ängstlich lauschten. Einige von ihnen hatten ihr Radio auf die Seenotwelle eingestellt und hörten, was draußen auf der Nordsee geschah. So schlimm hatte es hier lange nicht geweht. Meistens weiß man ja viele Stunden vorher, dass ein Sturm heranzieht. Aber an diesem 24. April hatten die Wetterberichte versagt. Im Ärmelkanal und vor Helgoland meldeten drei Schiffe SOS: höchste Gefahr für Schiff und Mannschaft. Auf Wangerooge wurden Fenster an der Strandpromenade eingedrückt, zwei Dächer hoben ab, eine Scheune brach zusammen, und als der Tag graute, stand der Hahn auf dem Kirchturm schief. Am Strand brüllte die Brandung. Als der Sturm endlich abflaute, lag am Oststeert von Wangerooge hoch und trocken auf dem Strand ein Küstenmotorschiff, die Beatrix H. aus Stade, zu einem Wrack zerschlagen. Keiner der alten Kapitäne hatte Seenotrufe der Beatrix H. gehört. Als man endlich zum Wrack am Ostende der Insel gehen konnte, entdeckte man, dass die Beatrix H. keine Fracht geladen hatte. Auf der Brücke fand man zwei alte Seekarten, die die See fast gänzlich aufgeweicht hatte. Das Wrack war leer, kein Mensch war zu sehen, kein toter und kein lebendiger. „Schlimm“, sagte Käpt'n Husmans, „aber so ist die See, erbarmungslos. Sie zerschlägt Schiffe, tötet Männer und treibt sie irgendwo hin.“ „Schlimm“, sagte auch Piet. „Und wie ging's weiter? Sie sagten doch, es spukt dort. Ich glaub's ja nicht.“ Käpt'n Husmans drehte seine Zigarre zwischen Daumen und Zeigefinger und sah Piet lange an. „Auf dem Wrack fing es wirklich an zu spuken", sagte er. „Jetzt wird's spannend“, meinte Johannes. Husmans lehnte sich in die Bank zurück. „Spannend?“ fragte er. „Vielleicht. Ich erzähle nur, was ich weiß. Ob das spannend ist, müsst ihr selber wissen. Auf dem Wrack der Beatrix H. hat es wirklich gespukt.“ In den späten Aprilnächten geisterte Licht am Ostende von Wangerooge um die Beatrix H., erzählte Husmans. Ein Lichtpunkt war zu sehen und wenn Nachtwanderer zu nahe kamen, erlosch er. Der Wind heulte durch die rostenden Aufbauten des Wracks, und der Lichtfleck wanderte über den Sand um das Wrack herum. Eine Lehrerin aus Bielefeld aber sah eine dunkel gekleidete Gestalt mit schwarzem Gesicht, die hinter dem Lichtfleck her huschte. Die Lehrerin berichtete dem Inselpolizisten davon, der ging selber hin - und sah nichts. Sah drei Nächte hintereinander nichts. Die Lehrerin wird sich was ausgedacht haben, hieß es auf der Insel. Ende April zog noch einmal ein Sturm auf. Kein so heftiger wie der vom 24. und 25. April, aber er brachte ein Gewitter mit. Die Lehrerin war wieder draussen, nachts gegen elf Uhr, weil sie solches Wetter liebte. Sie erzählte hinterher, dass ein Blitz in das Wrack eingeschlagen hätte. Und im Schein des Blitzes hatte sie wieder den dunkel gekleideten Mann gesehen. Der Blitz hatte das Wrack aufleuchten lassen, und der Mann war auf die Schiffswand zugerannt. Dann hatte es so heftig zu regnen begonnen, dass die Lehrerin ins Landschulheim zurückgelaufen war. Seitdem war Ruhe am Wrack.
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